Sprachliche Einordnung der borianischen Sprachen

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Sprachliche Einordnung der borianischen Sprachen

 

Es spricht vieles dafür, dass die Erfindung einer Schrift aufgrund der regelmäßigen Überflutungen durch den mysobnu notwendig wurde. Dieser wiederkehrende Rhythmus machte schriftliche Aufzeichnungen zur besseren Vorhersagbarkeit erforderlich. Gleichzeitig bedingte die geographische Lage zwischen barbang und der Festung von rabâlnu einen regelmäßigen Warentransport über den Fluss und damit auch einen zunehmenden Tauschhandel, vor allem mit Prevetten und anderen Sumpffischen. Ganz offensichtlich waren die erwirtschafteten Umsätze nicht so hoch, dass es die Notwendigkeit gab, eine hochstehende Mathematik zu entwickeln. Vielmehr steht das borianische Zahlensystem bis heute komplexen Berechnungen auf dieser Grundlage deutlich entgegen.

Sprachtypologisch nahm das Urboriani (UB) eine Zwischenstellung zwischen den isolierenden und den agglutinierenden Sprachen ein: es sind sowohl wortisolierende, synthetische, analytische als auch klassenpräfigierende Elemente vorhanden. Anders als das vorhergehende Yalánati durchbrach das UB schon früh die starre Abfolge von zwei- maximal dreiteiligen Silben nach dem Prinzip Konsonant-(Konsonant)-Vokal zugunsten eines weit flexibleren Wortbildungssystems.  Dabei ist für den Philologen vor allem die in frühen Texten hohe Konzentration von Wortpartikeln von besonderem Interesse.

Beim Übergang vom UB zum Altboriani (AB) lässt sich deutlich eine Tendenz zum isolierenden Sprachtypus feststellen. Obwohl erst wenige Adverbialklassen Eingang in die Sprache gefunden wurden, hatte diese Entwicklung dennoch erhebliche Auswirkung auf den Satzbau des AB.

Nicht wenige Sprachwissenschaftler sehen im Altboriani auch eine Ausgleichssprache zwischen der ursprünglichen urborianischen Sprache der Eingeborenen und fremdländischen Eroberern aus dem Norden. Dafür sprechen insbesondere zahlreichen Entlehnungen aus dem Bosparano sowie zahlreiche grammatikalische Vereinfachungen, die dem Sprachtypus der Neuankömmlinge zugerechnet werden. Mag man das frühe Altboriani auch als Pidginvariante des Urboriani mit Angleichung an bosparanische Gepflogenheiten ansehen, so wurde es doch sehr bald zu einer Kreolsprache, also einer neuen Muttersprache weiterentwickelt.

Die modernen borianischen Sprachen sind nunmehr sehr deutlich zu einem nicht unwesentlichen Anteil dem isolierenden Sprachtypus zuzuordnen. Dies begründet sich darin, dass die Satzstellung speziell im Neuboriani sowie im Modernen Boriani entscheidend für die Bedeutung eines Satzes ist. Schon geringfügige Umstellungen von Wörtern können den Sinn eines Satzes maßgeblich ändern.

Beispiel:

  • aì, cviralí                                                   er spricht ihn.
  • cviralí aì.                                                   er beginnt, zu sprechen.
  • mí bihanica ranvalí.                              Hierfür kam er nach Hause.
  • bihanica mí ranvalí.                              So kam er nach Hause.
  • bihanica ranvalí mí.                              Derart kam er nach Hause. / Hierfür kam er nach Hause

Auf der anderen Seite zeigt das Boriani einen stark synthetisch-agglutinierenden Sprachbau, indem grammatische Funktionen (z.B. Genus, Modus und Tempus) durch Affixe kenntlich gemacht werden.

Während das klassische Neuboriani nur von einer Minderheit von Personen, vor allem in Pulchur und Baltés’agar gesprochen wurde und lange Zeit den Charakter einer vor allem kultischen Geheimsprache hatte, zeichnet sich gerade die frühe Phase des Modernen Boriani durch deutliche Entlehnungen aus dem Garethi aus. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Insbesondere ist dies jedoch dem Umstand zu verdanken, dass viele ehemalige Nichtmuttersprachler diese Sprache aus politischen oder religiösen Gründen zu erlernen hatten. Gerade die sehr komplexen Satzstellungsregelungen, die sich aus dem Gebrauch von Adverbialklassen ergeben, wurde als Folge oft unwissentlich stark vereinfacht, so dass sich innerhalb von nur zwei Generationen eine in Teilen deutlich vereinfachte borianische Grammatik entwickelte.

Da es gerade während der Zeit des Alt- und klassischen Neuboriani durchaus erhebliche Dialektunterschiede gab, ist es zutreffend, vom Alt- und vom Neuboriani als Dachsprachen für verschiedene lokale Varietäten zu sprechen.